! Lesen : Analog oder digital ?

Lies, um zu leben. – Gustave Flaubert

! Lesen : Analog oder digital ?

Ist für mich schon lange keine Frage mehr, denn ich habe mich längst entschieden: Buch oder eBook? Ich will Wasser statt Eis! Und was wollen Sie?

Die Zahl des Tages : 88

Und wenn Sie sich jetzt fragen, wo Sie die Zeit zum Lesen hernehmen sollen, dann erklärt Ihnen das Charles Chu:

Books gave me the courage to travel. Books gave me the conviction to quit my job. Books gave me role models and heroes and meaning in a world where I had none. I want to say reading 200 books a year is an amazing thing. But the truth is, it’s not. Anybody can do it. To read 200 books, simply spend 417 hours a year reading.

Wowsers, 417 hours. That sure feels like a lot. But what does 417 hours really mean? Let’s try to get some more perspective. Here’s how much time a single American spends on social media and TV in a year:

  • 608 hours on social media
  • 1642 hours on TV

Wow. That’s 2250 hours a year spent on TRASH. If those hours were spent reading instead, you could be reading over 1,000 books a year! – Charles Chu @ Quartz

Und dann rechnet er Ihnen vor, wie Sie diese 417 Stunden locker mit sozialen Medien wie Facebook, Twitter & Co. verschwenden. Die Jüngeren. Und die Älteren wohl eher auf der Couch vor der Glotze vergammeln. Jetzt wissen Sie, auf welchen Müllkippen Ihre Lese- und damit Ihre Lebenszeit versickert. Ihre Sache, dem ein Ende zu setzen und Ihre Lebenszeit sinnvoller zu nutzen. Mit dem Lesen guter Bücher zum Beispiel.

Beim Lesen guter Bücher
wächst die Seele empor. – Voltaire

Heilig sei dir der Tag.
Goethe

Pro eBook

Im Jahr 2009 las ich 30 Bücher, allesamt auf Papier. Die damals erhältlichen E-Reader wirkten so attraktiv wie Schwarzweißfernseher, und ich sehnte mich nicht nach einem weiteren herumzutragenden Gadget. Im Sommer 2010 stellte Amazon die Kindle-Software gratis auch für andere Geräte zur Verfügung, Anfang Oktober kaufte ich mein erstes E-Book. Im darauffolgenden Jahr las ich 40 Bücher, im Jahr 2012 waren es 74, 2013 werden es – extrapoliert aus der Lektüre der ersten vier Monate – etwas über 80 sein. Ich lese also derzeit etwa doppelt so viele Bücher wie vor dem Umstieg.

Das E-Book leuchtet nicht nur im Dunkeln, es klappt auch nicht von alleine zu, man muss es also nicht mit den Zehen offenhalten, wenn man beim Essen lesen möchte. Es fügt sich viel geschmeidiger als das Papierbuch in meinen Alltag ein. Und da ich gern auf dem Handy lese, kann ich auch noch die winzigsten Wartezeiten mit Lektüre ausstopfen.

Ich kaufe nicht mehr auf Vorrat, weil sich die gefürchtete Lücke zwischen dem Ende eines Buchs und dem Beginn des nächsten jederzeit schließen lässt. Wo ich früher aus spontaner Begeisterung für ein Thema oder aus Treue zum Autor Bücher unbesehen kaufte und dann nie über das zweite Kapitel hinauskam, genügt mir heute die kostenlose Leseprobe. Weil ich mich mithilfe der Leseprobe nur auf überdurchschnittlich verheißungsvolle Bücher einlasse,  lese ich außerdem fast alles Gekaufte auch zu Ende. Das ist schön für die Autoren, aber weniger erfreulich für Verleger und Händler. Aus deren Sicht war mein früheres Kundenverhalten viel attraktiver: Wer viel kauft und nicht zu Ende liest, kommt schneller zurück, um mehr zu kaufen. – Kathrin Passig @ ZEIT

Für mich gibt es heute nichts Anziehenderes als eine Frau, die liest. – Jonathan Franzen

Contra eBook

Warum ich Ihnen das erzähle? Weil Bücher etwas Magisches haben. Einen Roman auf dem Tablet lesen? Ich habs probiert – nie wieder! Zwar bin ich auf Facebook, Twitter, Instagram und Snapchat. Bevor ich koche, google ich Rezepte, dazu höre ich Musik via Sonos. Mein TV ist Netflix, meine Plattensammlung Spotify. Statt einer Pausenzigarette ziehe ich mir Youtube rein, und wenn ich jogge, ist mir das iPhone Personal Coach und Trainingstagebuch in einem.

Aber beim Lesen – da hört der digitale Spass auf. Nehmt mir bloss mein Buch nicht weg! Ich brauche seinen Duft, seine Haptik und die Möglichkeit, an besonders inspirierenden Stellen Eselsohren reinzuknicken, zwecks Wiederhervorholen und Vorlesen im (mehr oder minder erfreuten) Bekanntenkreis. Wenn ich lesen will, mag ich mich nicht durch Dateien klicken. Ich will ein Buch aufklappen, die Seiten blättern können. Und es mir auch total egal, dass ich, wenn ich in die Ferien fahre, eine schwere Extratasche mit Lesestoff mitschleppen muss. Es geht hier ja auch nicht um Pragmatismus. Es geht um Liebe! Ich hege geradezu frühlingswarme Gefühle für das gedruckte Buch. – Paulina Szczesniak @ Basler Zeitung

Facebook ist das Opium unserer Generation. Für einsame Menschen, die sich der Illusion hingeben, wichtig zu sein. – Frédéric Beigbeder

! Lesen : Analog oder digital ?

Es bedarf der Mensch, der gewöhnlich sein Leben in Zerstreuung und Leichtsinn vor sich hinlebt und immer voraneilt, ohne zu wissen, was ihn eigentlich treibt und was er eigentlich will, in seinem Laufe von Zeit zu Zeit angehalten und zu sich selbst zurückgeführt zu werden; es bedarf eines Steines am Wege, auf den er sich hinsetze und in sein vergangenes Leben zurücksehe. – Matthias Claudius

Herzlich : Lesenswert : Willkommen

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