Lesenswert : Netzgeschichten 2

Schade, daß Denken keinen Lärm macht. Sonst könnte man hören, wie still es in vielen Köpfen ist. – Hanns-Hermann Kersten

Netzgeschichten 2

Die Netzgeschichten 1 haben Ihnen zu denken gegeben? Dann denken wir jetzt ein wenig weiter und tiefer über uns und das Internet nach.

Die «Smombies», so die Kurzform für die «Smartphone-Zombies», sind nicht Untote, die zurückkamen, sondern Abwesende, die ihre Körper zurückliessen. Ist es dies, was uns ärgert (falls es uns ärgert), wenn wir ringsum Menschen in ihre Geräte versunken sehen? Sind wir enttäuscht, dass sie sich so radikal einer Begegnung mit uns entziehen? Hofften wir wirklich auf Gesprächspartner? Oder verstimmt uns nur, mit welcher Frechheit erwartet wird, dass wir aus dem Weg gehen?

Was uns ärgert, ist zunächst die Vernichtung des Zufalls. Denn wie kann sich noch etwas ereignen, wenn selbst in der Öffentlichkeit alle in ihrer eigenen Welt sind? Ärgerlich ist, dass wir nicht infrage kommen, dass wir keine Rolle spielen, dass wir ignoriert werden. Es ist die Einsamkeit, in die uns die «Smombies» öffentlich stossen, die wir ihnen übelnehmen. Das heisst heute eigentlich, im Nebel zu wandern: Alle sind einander sichtbar, aber keiner sieht den andern.NZZ

Die Zahl des Tages : 88

Handydaten von 60.000 Nutzern zeigen: Wir beschäftigen uns bis zu drei Stunden am Tag mit dem Smartphone. Der Leiter der Studie zieht daraus bedenkliche Schlüsse – und fordert eine digitale Diät. Die Forscher haben die Daten von 60.000 Smartphone-Nutzern ausgewertet. Das Ergebnis: Zweieinhalb Stunden beschäftigten sie sich täglich mit dem Smartphone, Jugendliche sogar drei. Sie griffen im Schnitt 88-mal danach, wovon sie es 53-mal entsperrten, um eine App zu starten. Sogar beim Abendessen mit dem Partner oder bei der Arbeit griffen die Probanden zum Handy, scrollten durch Nachrichten, checkten Mails. Unter den geöffneten Anwendungen seien besonders häufig Apps wie Facebook, WhatsApp und Pokerspiele genutzt worden.

Wir merken, dass uns die ständig auf uns einprasselnden Informationen erschöpfen. Trotzdem greifen wir wieder und wieder zu unserem Smartphone. „Das Gehirn ist durch den Überfluss an Informationen und Kommunikation komplett überlastet“, sagt Markowetz. Den Handykonsum im Alltag herunterzufahren sei das Einzige, was langfristig etwas bringe, sagt der Informatiker. Er empfiehlt eine digitale Diät: Nur noch dreimal am Tag Mails checken, einmal am Tag Facebook. Das Mittagessen genießen. Beim Date das Handy auslassen und im Schlafzimmer auch. – Spiegel

Mit der Verbreitung von Smartphones und mobilem Internet hat sich in den vergangenen Jahren eine Unsitte auf der ganzen Welt breitgemacht: „Phubbing“, das Lesen und Herumtippen auf dem Handydisplay, während man eigentlich mit anderen Menschen sprechen sollte. Das Kunstwort „Phubbing“ besteht aus den Worten „phone“ und „snubbing“, also vor den Kopf stoßen. „Wir alle haben schon einmal den Moment erlebt, wenn wir mit Freunden unterwegs sind, dass die ihre Handys zücken und man auf einmal weniger interessant ist als das, was sie auf ihren Handys lesen“, sagt Alex Haigh. Für seine Kampagne hat sich Haigh eine Werbeagentur gesucht, die mit ihm gemeinsam die Webseite stopphubbing.com ins Leben gerufen hat. – SZ

Durchschnittlich alle 18 Minuten schaut ein wacher Smartphone-Besitzer auf sein Handy. Es erlaubt uns die Fähigkeit zur Bilokation. Wir sind im selben Moment im Supermarkt und am Schreibtisch, auf dem Spielplatz und in der Konferenz. Das Smartphone hat unser Leben in ein permanentes Multitasking verwandelt. Und weil unsere Finger, Augen und Gedanken in jedem Moment immer zugleich mit etwas anderem beschäftigt sind, machen wir nichts mehr richtig.

Glaubt man einer Studie von Microsoft aus diesem Jahr, dann haben sich unsere Gehirne in den letzten eineinhalb Jahrzehnten messbar verändert. Demnach nutzen die befragten Erwachsenen inzwischen mehr als elf Stunden am Tag digitale Medien. 76 Prozent gaben an, ihre Arbeit nur noch mit Multitasking erledigen zu können. In der Freizeit ist das „second screening“ – Tablet plus Fernseher – zur Normalität geworden.WELT

Facebook ist das Opium unserer Generation. Für einsame Menschen, die sich der Illusion hingeben, wichtig zu sein. – Frédéric Beigbeder

Der Mensch wird von immer mehr Informationen attackiert, die für ihn immer weniger Bedeutung haben. – Andrzej Majewski

Peter Laufer, ein Journalismus-Professor aus den USA, begrüßt dies zwar, findet es aber noch wichtiger, dass Konsumenten ihre Haltung ändern. Er ruft deshalb zu einer Mediendiät auf. „News sind für den Geist, was Zucker für den Körper ist. Zu viele News schaden uns. Und sie können süchtig machen.“

Was Laufer rät: „Nachrichten nur eine Stunde am Morgen und eine am Abend. Facebook und Twitter löschen. Und immer daran denken: Was nicht direkt in unserem Hinterhof passiert, müssen wir nicht unbedingt sofort wissen.“ – WELT

Bildung im zwanzigsten Jahrhundert erfordert vor allem und zunächst die instinktsichere Abwehr überzähliger Informationen. – Hans Kasper

Netzgeschichten 2

Herzlich : Lesenswert : Willkommen

Viewed 4290 times by 1166 viewers

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.