Barfuß auf Nacktschnecken – Bitter-süße Tragikomödie

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Warum drehen die trübsinnigen Franzosen so fröhliche, unverbissene Filme? – WELT

Einer der wunderbarsten Filme, die ich je gesehen habe. Die Franzosen verstehen es halt, köstliche Filme zu machen. Diane Kruger & Ludivine Sagnier lehren uns den Mut zum Leben und zur Liebe. Füttern auch Sie Auge & Herz damit, auf daß Sie schließlich lebens- & liebessatt aus dieser Welt scheiden…

Nach dem Tod ihrer Mutter zieht die mit einem Anwalt verheiratete Pariserin Clara aufs Land zu ihrer verhaltensauffälligen Schwester, um sich um sie zu kümmern. Das kindliche, verspielte Wesen von Lily ist jedoch nicht so einfach zu kontrollieren. Während die ungleichen Schwestern langsam zueinander finden, löst sich Clara aus ihren ehelichen und beruflichen Zwängen und entdeckt Sinnlichkeit und Lebensfreude neu. – Wikipedia

Das bedeutet auch ein Wiederentdecken von Sinnlichkeit, und hier liegen die großen Stärken von „Barfuß mit Nacktschnecken“: Fabienne Berthaud, die in ihrem Film auch die Kamera geführt hat, geht ganz nah an ihre Protagonistinnen heran, sie sieht bei einem Bad im Bach oder bei einem sommerlichen Picknick im hohen Gras zu – der Handlungsort in Südfrankreich lässt solche entspannten Bilder natürlich leicht zu. Diese geruhsamen Momente und damit das Aufgehen im Erleben des Augenblicks werden geradezu zelebriert.  – Filmstarts

Barfuß auf Nackt­schne­cken ist einmal mehr ein Beweis, dass gutes Kino nicht unbedingt identisch sein muss mit einer origi­nellen Geschichte: Viel entschei­dender sind die tref­fenden Bilder eines Films, sein Charme und die Schönheit, die er ausstrahlt. Die fran­zö­si­sche Künst­lerin Valérie Delis hat das Produc­tion Design des Films gestaltet, und das merkt man in jeder Sekunde.

Barfuß auf Nackt­schne­cken ist ein sehr witziger, sehr gut unter­hal­tender Film. Aber es ist auch ein Film, der auf intel­li­gente Weise beden­kens­werte Fragen verhan­delt. Der davon handelt, wie unsinnig Konven­tionen sind. Denn wer will anderen vorschreiben, wie man leben soll? Mit welchem Recht predigen manche ihren Mitmen­schen Moral, oder auch nur, dass man nicht rauchen darf und nur Biogemüse zu sich nehmen darf? Wer stellt Regeln auf, an die sich alle halten müssen? Und ist man verrückt, wenn man das nicht tut und darauf besteht, anders zu leben? Die Regis­seurin Fabienne Berthaud plädiert für das Glück im Hier und Jetzt, und für den Mut zum Unkon­ven­tio­nellen. Sie hat ihn selbst bewiesen. – Artechock

Berthaud benutzt also das Porträt zweier Schwestern zur Verhandlung des Verhältnisses zwischen Normalität und Wahnsinn. Als Stimme der Norm tritt Claras Mann Pierre in Erscheinung, der andeutet, dass er Lily für verrückt hält – Berthaud aber verbannt diese Figur in den Hintergrund und versucht, den Blick auf Lily in einen Blick durch Lily auf die Gesellschaft zu verwandeln. Warum beschweren sich die Nachbarn, wenn Lily das Grab ihrer Mutter auf ihre eigene Weise schmückt? Warum schimpft ihre Schwester, wenn sie ihren Körper den schüchternen Dorfjungs zur Verfügung stellt und es allen Spaß macht? Ist eine Gesellschaft, die sich über rigide und bei näherem Hinsehen absurde Prinzipien definiert, nicht schon viel verrückter, als Lily es je sein könnte? – Critic

In Wirklichkeit wäre Lily wohl ein Fall für die Psychiatrie. Im Kino aber darf sie – ähnlich wie Mike Leighs Poppy in „Happy Go Lucky“ – ein Märchenwesen sein, dessen Lebenslust und Eigensinn auf fast therapeutische Weise ansteckend wirkt. Lily gehört zu jener Sorte unangepasster Spinner, die in der Wirklichkeit ausgesprochen enervierend sein mögen, im Kino aber einen besonderen Zauber entfalten. Ludivine Sagnier gelingt da ein schwindelerregender Balanceakt zwischen Nervensäge und Zauberfee. Es macht Spaß, dabei zuzusehen, wie Lilys lichte Farben und freie Formen ins wohlgeordnete Leben von Clara schwappen und ihre strenge Fassade zu zersetzen beginnen. Sie erlebt eine schleichende Läuterung und entdeckt hinter dem falschen das richtige Leben, hinter Pragmatismus und Effizienz das Wunder der Freiheit. – SZ

Lily ist anders – eigenwillig, freiheitsliebend und unverstellt. Mit ihrer kindlichen Direktheit widersetzt sie sich gesellschaftlichen Konventionen; das Urteil ihrer gesellschaftskonformen Mitmenschen oder Gedanken an die Zukunft haben in ihrer Welt keinen Platz: Lily lebt in den Tag hinein… führt uns vor Augen, wie schrecklich angepasst wir selbst doch sind. Ein Hauch von Freiheit liegt in der Luft, gemischt mit einer Portion Lebensfreude und ein bisschen Verrücktheit, und verspricht die Begegnung mit der modernen Nachfolgerin von Pippi Langstrumpf und Amélie Poulain. Das Konzept geht auf: So spontan und frei wollen wir auch sein. – Französischer Film

Barfuß auf Nacktschnecken

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Robert Walser

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