Phantasien – Psychothriller von Jason Starr

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In seiner Zeit als Cop hatte Larry zweierlei gelernt: Man weiß nie, wer einen belügt, und jeder ist zu allem fähig.

Auf dem Cover steht zwar Roman, aber für mich als Psychologe ist „Phantasien“ ein Psychothriller erster Güte. Und wenn Sie sich jetzt lesend in die Köpfe der Protagonisten begeben, kriegen Sie da Alpträume zu sehen, die keiner gerne träumen möchte. Kaputte Köpfe gebären kaputte Taten. Auf Wiederlesen!

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Jason Starr

Jason Starr, geboren 1966, wuchs im New Yorker Stadtteil Brooklyn auf und begann in seinen College-Jahren zu schreiben, zunächst Kurzgeschichten, später auch Theaterstücke, Texte für Comics und Romane. Seine Bücher sind in sieben Sprachen übersetzt. Jason Starr lebt in New York. – Verlagsinfo

Das Buch

Bedford Hills ist ein wohlhabender Vorort von New York. Wer hier wohnt, hat einen guten Job in Manhattan, ein paar Kinder, eine Hypothek, einen Geländewagen und eine Mitgliedschaft im Country Club. Hier liegt auch die Savage Lane, eine Straße mit einigen Kurven, viel Grün und sieben schönen Häusern. Hinter den gepflegten Fassaden aber gärt und kocht es. Mark Berman, seit zwanzig Jahren mit Deb verheiratet, träumt von seiner sexy Nachbarin Karen. Deb ist rasend eifersüchtig. Obwohl sie selbst ein schmutziges Geheimnis hat. Eine bitterböse Komödie der erotischen Verwirrung und Verblendung – mit tödlichem Ausgang. – Verlagsinfo

Jason Starr : Zitate

Wie hatte sich die Beziehung nur so verändern, so vor die Hunde gehen können? Das alles hätte sie enger zusammenschweißen sollen, doch das Gegenteil war passiert. Er hatte keine Ahnung, wie sie von Punkt A zu Punkt B gekommen waren, von den lächelnden, glücklichen jungen Leuten in der Bar an der Upper West Side zu dem hier. Sie waren nicht einmal mehr dieselben Menschen. Sie waren zu Figuren in einem Film geworden, zu Fremden.

Wenn sie eins aus ihrer Scheidung gelernt hatte, dann, dass das Leben zu kurz war, um es mit dem Falschen zu verbringen.

»Küss mich so, wie du mich küssen willst«, sagte Deb.

Mark küsste sie weiter, steckte die Zunge tiefer in ihren Mund, schmeckte noch mehr Rum. Er schloss die Augen und stellte sich vor, er würde Karen küssen. Seine Hände auf ihrem Arsch – ihrem strammen, festen Arsch.

Dann stieg Deb auf ihn, doch es war Karen.

Ihr war immer noch elend zumute, doch das lag nicht nur am Alkohol in ihrem Körper, sondern an der ganzen Situation. Manchmal kam ihr das Leben so aufreibend und überwältigend vor, und, noch schlimmer, sie wusste, dass sie selbst dafür verantwortlich war. Im Ernst, wie viele 44-jährige Frauen würden nicht Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um das zu bekommen, was sie hatte? Ein Haus mit vier Schlafzimmern in Westchester County, einen erfolgreichen, tüchtigen Mann, zwei phantastische Kinder.

Und Lesen, das war überhaupt das Schlimmste. Mark begriff nicht, warum Leute gern lasen, warum sie ihre Freizeit damit verbrachten, sich zu konzentrieren und auf Wörter in einem Buch zu starren. Meine Güte, warum sich nicht gleich auf ein Nagelbett legen oder, wenn man schon mal dabei war, zu einem Haufen Klapperschlangen in die Badewanne steigen. Klar, wenn man Lehrer war oder noch zur Schule ging, wenn man musste, aber in der Freizeit, zum Vergnügen?

Die Leser

Harry Röhrle mit einem E-Book Reader

Hinter den New Yorker Fassaden bröckelt es. Harry Röhrle konnte dieses Buch nicht mehr weglegen. Was ihn an „Phantasien“ so begeistert, verrät er im Buchtipp. „Ich bin kein regelmäßiger Leser, deshalb muss mich ein Buch von der ersten Seite an fesseln.“ Dann aber schenkt Harry Röhrle dem Schmöker stundenlang Aufmerksamkeit. Das letzte Buch, das ihn gepackt und begeistert hat, war „Phantasien“ von Jason Starr: Ein wohlhabender Vorort von New York; eine vermeintlich heile Welt. Hinter den Fassaden ist das Leben aber völlig konfus und abgefahren. Irrungen, Wirrungen, Konflikte, Verbrechen und eine verquere Liebe als Beschleuniger für das ganze Chaos. Das Buch bietet eine abwechslungsreiche und tolle Sprache, dazu eine Handlung mit überraschenden Wendungen. „Genau mein Ding“, resümiert der Wetter-Reporter. – SWR Literaturtipp

Bei Starr sind es die Männer, die sich ihre Wunschbeziehungen herbeifantasieren. Mark, der Systemanalytiker ohne Menschenverstand, interpretiert jede banale SMS seiner Nachbarin als Liebesbeweis und spürt irgendwann gar nicht mehr, wenn er immer neue Grenzen überschreitet. Als Leser kann man durch das dialogische Erzählen gewissermaßen in Echtzeit verfolgen, wie sich die Figuren immer weiter in ihrem eigenen Netz verstricken, wie sie sich wechselseitig manipulieren statt miteinander zu reden, wie sie sich eigentlich immer nur missverstehen.

Das gilt selbst für die Kinder in der Komfortzone, die heranwachsenden Smartphone-Junkies und Facebook-Monster: Auch für sie verschwimmt die Realität wie in einem stark verpixelten Bild, das man sich direkt vors Gesicht hält. Das große Face-Book.

„Phantasien“ ist dennoch ein ebenso kurzweiliger wie unterhaltsamer Krimi, der auch beim Leser eine gewisse Atemlosigkeit erzeugt, den Wunsch, einfach nur zur nächsten Seite zu springen, zur nächsten Einstellung. Dieses Buch zu verfilmen, dürfte die Drehbuchautoren in Hollywood vor keine größeren Probleme stellen. – SZ

Als ich den Klappentext dieses Romans gelesen habe, musste ich unweigerlich sofort an die beliebte und äußerst erfolgreiche TV-Serie „Desperate Housewives“ denken: Auch hier wird nach außen hin der schöne Schein gewahrt, während hinter verschlossenen Türen Mord und Totschlag stattfindet. Nachdem ich „Phantasien“ nun regelrecht inhaliert habe, kann ich sagen, dass der Autor bei dieser Geschichte noch einiges draufgepackt hat, mehr ins Detail geht, böser, perfider und gerissener ist, denn hier knistert und brodelt es – sowohl vor Erotik als auch vor Spannung. Fans der „Desperate Housewives“ empfehle ich das Buch uneingeschränkt. Allen anderen Lesern, die gerne mal einen Blick hinter die Vorhänge einer scheinbar heilen Familienwelt werfen möchten, ebenso. MEIN FAZIT lautet hier: 5/5 BÜCHEREULEN – Literaturchaos

Jason Starr

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Je mehr ich las, um so enger wurden meine Beziehungen zur Welt,
um so leuchtender und bedeutsamer wurde für mich das Leben.
Jedes Buch war wie eine kleine Sprosse,
über die ich vom Tier zum Menschen aufstieg.
Maxim Gorki

Bitte besuchen Sie : Rudis Bibliothek : Herzlich Willkommen

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